

27.05.2010
LAND im Fokus des Ökumenischen Kirchentages
Gleich drei Veranstaltungen befassten sich unter dem Motto "Lebensraum Land" mit Visionen, Möglichkeiten und Notwendigkeiten für die zukunftsfähige Gestaltung von ländlichen Räumen. Bayerns Ministerpräsident Seehofer sicherte die Unterstützung und Erhalt der ländlichen Regionen zu. Bischof Hein verwies auf die Entscheidung der evangelischen Kirche "die Kirche im Dorf zu lassen".
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| "Wie will ich leben auf dem Land?" lautete die Frage, die 3 Bewohner verschiedener ländlicher Räume, Friedrich Graefe zu Baringdorf, Annemarie Biechl, Bischof Hein und Ministerpräsident Seehofer beantworteten |
Bayerns Ministerpräsident Seehofer will ländliche Infrastruktur erhalten
Graefe zu Baringdorf: Landbevölkerung muss Zukunft selbst in die Hand nehmen
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat sich für den Erhalt der bestehenden Infrastruktur im ländlichen Raum ausgesprochen. Um die bäuerlichen Betriebe in Gebirgsregionen, die nur vergleichsweise geringe Flächen bewirtschaften, besser zu fördern, müssten allerdings die Subventionen für die Großbetriebe gekappt werden, die bei einem Anteil von 20 Prozent derzeit 80 Prozent aller Subventionen kassierten, erklärte er am Freitag beim Forum „Zukunft Land“ auf dem Ökumenischen Kirchentag in München. Politik lasse sich nicht auf ein Reagieren reduzieren, sondern könne eine Entwicklung durchaus steuern und anstoßen.
Nur wenn es gelinge, die Wirtschaftskraft in den Dörfern zu stärken, könnten beispielsweise auch Kindertagesstätten, Schulen und die ärztliche Versorgung erhalten werden, unterstrich Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft und frühere Europaabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen. Das bedeute beispielsweise, dass Hausbesuche eines Landarztes besser honoriert werden müssten als in der Stadt. Entscheidend sei letztlich allerdings, dass die Bewohner selbst die Initiative ergreifen – etwa mit der Regionalvermarktung der Produkte - und sich nicht auf Vorgaben oder Rettungsversuche der Politik warten.
„Bei uns bleibt die Kirche im Dorf“, betonte Bischof Martin Hein von der evangelischen Landeskirche Kurhessen-Waldeck. Gerade um bei starken Abwanderungstendenzen den Menschen zu zeigen, dass die Kirche sie nicht im Stich lasse, habe die Landessynode die Entscheidung für einen entsprechend hohen Bestand an Landpfarrstellen getroffen. Dazu gehöre auch die Erhaltung der Gotteshäuser: „Sie sollen schön sein und benutzt werden. Wo sie zerfallen, ist das ein Symbol für fehlende Zukunft.“
Fragen wie „Welche Entwicklungschancen hat der ländliche Raum?“, „Haben Bauern nur mit Großbetrieben eine Überlebenschance?“, „Liegt die Zukunft womöglich im Tourismus und der Ausgleichs- und Erholungsfunktion für gestresste Städter?“ standen im Mittelpunkt des Forums „Zukunft Land“. Allein innerhalb eines Bundeslandes wie Bayern mit häufig noch kleinteiligen Strukturen stehen dem Höfe-Sterben auch hoffnungsvolle Ansätze gegenüber, berichteten eine Biobäuerin, ein Bürgermeister und eine Landpfarrerin.

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